Der Lockdown aufgrund des sich ausbreitenden Coronavirus am 13. März bedeutete auch eine Zäsur in der deutschen Bildungspolitik. Plötzlich war klar: die Schulen im Land müssen auf unbestimmte Zeit schließen. So auch die Sankt Johannes Grundschule in Erpel am Rhein – eine kleine Dorfschule mit 88 Kindern und 7 Lehrer/-innen, dörflich-ländlich geprägt, die kleine Gemeinde ist stolz auf »ihre Schule«.
Von einem auf den anderen Moment herrschte gespenstische Ruhe im sonst lebendigen Schulhaus und Lehrer, Eltern und Kinder standen vor der großen Frage »Wie soll es weitergehen?«
Für Schulleiter Jens Heinroth und das Kollegium standen folgende Herausforderungen schnell im Mittelpunkt:
- Wie gelingt es »unsere« Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu fördern und zu fordern?
- Wie gelingt es uns »unsere« Eltern beim Umsetzen des Lernens zuhause optimal zu unterstützen?
Schnell war klar, dass der Einsatz digitaler Medien und die damit verbunden Medienkompetenz eine zentrale Rolle in den folgenden Wochen und Monaten spielen würde. Hier kam der Schule zugute, dass man sich in den letzten Jahren konsequent und sukzessive mit den Möglichkeiten der Digitalisierung auseinandergesetzt hat. Neben dem Auf- und Ausbau der Infrastruktur, kam hier dem direkten Lernen mit Medien eine zentrale Bedeutung zu. »Wir haben schnell gemerkt, dass der Einsatz von digitalen Medien unseren alltäglichen Unterricht motivierender, vielfältiger, differenzierter und vor allem einfacher macht«, so der Schulleiter. »Medienkompetenz bedeutet an unserer Schule, dass die Kinder eigenständig und selbstkritisch-reflektiert mit den Medien umgehen und mit ihnen lernen. Ein Fakt, der uns bei der Bewältigung der Krise/Herausforderung sehr geholfen hat. Die Ergebnisse sind oft keine von Erwachsenen gestaltete Leuchtturmprojekte, dafür aber selbstgemachte Arbeiten der ›digital natives‹, der Schülerinnen und Schüler«. 2018 gewann die Schule mit ihrem Projekt »Die Rettung des Wals um Mitternacht – oder die überraschenden Möglichkeiten unserer multimedialen Lesenacht« den Deutschen Lesepreis in der Kategorie »Herausragende Leseförderung mit digitalen Medien«.
Auf einer der letzten möglichen Präsenz-Konferenzen entwickelte man einen 5-Stufen-Plan, der dem »Lernen zuhause« eine Struktur geben sollte.
»Dass letztendlich ein 8-Stufen-Plan daraus wurde, war so nicht geplant, zeigt aber die sich schnell weiterentwickelnden Möglichkeiten, die digitale Medien bieten«, so Heinroth. Mit dem Hintergrundwissen, dass nicht jedes Elternhaus spontan über mehrere Endgeräte und die notwendige Medienkompetenz verfügt, entschied man sich in enger Abstimmung mit Schulelternbeirat und Förderverein für ein behutsames Vorgehen und logische, eng verzahnte und aufeinander aufbauende Entwicklungsschritte:
Stufe 1: »Analoges Material«
Wie wahrscheinlich alle Schulen wurden wir von den plötzlichen Schulschließungen kalt erwischt. In der sich bewahrheitenden Befürchtung eines längeren »Lockdowns« entschieden wir uns das Lernen zuhause in der ersten Woche mit den »klassischen Medien« einzuleiten. Die Kinder erhielten einen Wochenplan, den sie mithilfe der von den Lehrern bereitgestellten differenzierten Materialien bearbeiten konnten. Schwerpunkt: Wiederholen, Üben und Lernerfolgssicherung. Im Gegensatz zu unseren schulischen Wochenplänen, bei denen die Kinder selbst entschieden können, wann sie welche Aufgaben im vorgegebenen Zeitrahmen bearbeiten wollen, entschieden wir uns hier für eine klare und täglich vororganisierte Arbeits- und Aufgabeneinteilung. Diese erwies sich für die Eltern als sehr hilfreich, da dieser gegliederte Wochenplan dem häuslichen Lernen eine einfache Struktur ermöglichte.
Stufe 2: Schulbox – die Downloadfunktion